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Am 28.05.2022 wird es in Osnabrück wieder bunt. Der dritte große CSD zieht durch die Straßen von Osnabrück unter dem Motto „love is love & love is peace“. Wie immer steht der CSD in Osnabrück dafür, queeren Menschen einen diskriminierungsfreien Raum zu bieten und die Möglichkeit zu schaffen, laut zu sein für die eigenen Rechte.
Um 13 Uhr startet die Demo am Theatervorplatz mit einer Eröffnungsrede und der Übergabe der Forderungen an die Stadt. Nach der Demoroute finden wir uns wieder am Theatervorplatz ein, wo ab 15 Uhr die Abschlussreden gehalten werden.
Um 17 Uhr wird es wieder einen queeren Gottesdienst in der St. Marienkirche in Osnabrück geben.
Unterstützt werden wir musikalisch durch DJ Seet auf dem LKW und Schwester Daphne von den Schwestern der perpertuellen Indulgenz aus Berlin. Die Demonstration wird durch laute Motorengeräusche angekündigt von den Dykes on Bikes.

Wenn du Teil des CSD Osnabrück sein und uns dieses Jahr als Ordner_in unterstützen möchtest, dann komme melde dich per PN oder per E-Mail unter order@csd-osnabrueck.de

Der CSD Osnabrück ist in Vereinsgründung gegangen, aber durch Satzungsänderung und -anpassungen leider noch kein eingetragener Verein und wir können daher keine Fördermittel beantragen und sind auf Spenden angewiesen. Daher brauchen wir eure Unterstützung:

https://www.betterplace.me/csd-osnabrueck-2022

Route – START Platz der Deutschen Einheit/Theatervorplatz | Hasestraße | Erich-Maria-Remarque-Ring | Berliner Platz | Wittekindstraße | Neumarkt | Kamp | Dielingerstraße | Lorzingstraße | Platz der Deutschen Einheit ENDE

Ablauf

Dritter großer CSD in Osnabrück
Es ist wieder so weit und der 3. große CSD in Osnabrück wird stattfinden. Dieses Jahr
mit einer großen Neuheit: Die Verkehrsgemeinschaft Osnabrück (VOS) unterstützt tatkräftig durch
den Einsatz eines Niederflurfahrzeugs.
Wie immer steht der CSD in Osnabrück dafür, queeren Menschen einen diskriminierungsfreien Raum
zu bieten und die Möglichkeit zu schaffen, laut zu sein für die eigenen Rechte. Wie letztes Jahr ein_e
Demonstrationsteilnehmer_in abschließend sagte: „[…] [D]iese Erfahrung war einfach wunderschön.
Einmal in der Mehrheit sein. Sich einmal nicht allein fühlen inmitten von hundert Menschen. Einmal
für ein paar Stunden nicht an Queerfeindlichkeit denken zu müssen. Sich einmal nicht verstellen
müssen, um akzeptiert zu werden. […]“ Damit denjenigen queeren Menschen und Allies, die
Beeinträchtigungen beim Mitgehen in der Demonstration haben, die Teilnahme ermöglicht werden
kann, stellt die VOS ein Niederflurfahrzeug. Dieses wird am Ende des Demonstrationszugs fahren und
Menschen mit Gehbeeinträchtigungen können den ‚CSD-Bus‘ während der Parade sowohl von Beginn
an zu nutzen.Und es besteht jederzeit die Möglichkeit an der rechten Seite in Gehrichtung auf den
Bus zu warten und zuzusteigen, wenn diese Unterstützung benötigt wird. Zusätzlich wird es
Sitzgelegenheiten für Menschen mit eingeschränkter Geh- und Stehbeeinträchtigung geben, die
während der Ansprachen zur Verfügung stehen.
Die Forderungen des CSD Osnabrück sind ähnlich zu bereits gestellten Forderungen der Vorjahre. Ein
Zeichen, dass jahrelang bestehende und bereits bekannte Diskriminierungen noch immer abzubauen
sind. Ganz grundlegend fehlt noch immer eine Erweiterung des Artikels 3 Absatz 3 des Grundgesetzes
um die „sexuelle Identität“. Auch die explizite CSD und LSBTIQ* Menschen unterstützende Haltung
der Stadt bei gleichzeitiger Distanzierung von queerfeindlichen Entwicklungen in Europa lässt noch
auf sich warten. Vor allem das Zurückziehen der geschlechtergerechten Amtssprache in der Stadt
Osnabrück hat viele Menschen vor den Kopf gestoßen.
Wie bereits im Vorjahr gefordert, fehlt noch immer ein Ort der Vielfalt in Osnabrück in Form eines
queeren Zentrums mit ausgebildeten Fachkräften. Auch das Familien- und Abstammungsrecht steht
noch immer zu Gunsten heteronormativer Familienmodelle und bedarf eine Erneuerung, die
Regenbogenfamilien mit absichert und anerkennt.
Bei der diesjährigen Befragung auf den Social-Media-Kanälen vom CSD Osnabrück wurden
Forderungen laut, die ebenfalls in den Forderungen des CSD Osnabrücks von 2021 zu finden sind. Es
wird mehr Aufklärung über queere Thematiken an Schulen, vor allem im Bereich des
Sexualkundeunterrichts, gefordert. So gilt es, nicht-binäre, transgeschlechtliche und queere
Lebensweisen mit zu lehren und die Beratungs- und Unterstützungskapazitäten für LSBTIQ* Kinder
und Jugendliche an Schulen auszubauen. Auch wird gefordert binäre (zweigeteilt), cisgeschlechtliche
(identifizieren sich mit dem bei ihrer Geburt zugewiesenen Geschlecht), heteronormative (Annahme,
dass alle Menschen heterosexuell sind), patriarchale (Herrschaft des Mannes) Geschlechternormen
durch gezielte öffentliche Bildungskampagnen durch die Politik abzubauen. Ebenfalls wird die
genderneutrale Sprache wieder vermisst, nachdem sie bereits zeitweise in der öffentlichen
Verwaltung Einzug erhalten hatte. Somit werden queere Menschen mit Geschlechteridentitäten
abseits der heteronormativ binären Geschlechtereinteilung erneut ausgegrenzt. Auch die bereitsPressemitteilung:
angestoßene Debatte des Selbstbestimmungsgesetzes anstelle des Transsexuellengesetzes (TSG)
wird gefordert in Umsetzung zu bringen, damit trans, inter und nicht-binäre Personen nicht mehr
als ‚krank‘ stigmatisiert und diskriminiert werden.
Der Hintergrund zum gewählten Motto „Love is Love & Love is Peace“ (Liebe ist Liebe & Liebe ist
Frieden) ist die steigende Hasskriminalität gegen LSBTIQ. Gewaltsame Übergriffe auf Menschen, die vom Aussehen her nicht dem heteronormativen Bild entsprechen, werden vermehrt angegriffen. Hier ist die Dunkelzahl erheblich höher, weil sich viele nicht trauen, die Übergriffe zur Anzeige zu bringen. Im Jahr 2021 wurden 1.000 Fälle registriert, was bedeutet, dass es jeden Tag drei Fälle von LSBTIQ-feindlicher Hasskriminalität gab, was nur die Spitze des Eisbergs sei, so die Pressemitteilung
des Lesben- und Schwulenverbands (LSVD). Dies belegen auch die Ergebnisse des zweiten großen
LGBTI-Surveys der EU-Grundrechteagentur (FRA), laut derer nur 13% Anzeigen aufgeben nach
Hassgewalterfahrungen.
Auch der aktuelle Krieg in der Ukraine hat uns zum diesjährigen Motto inspiriert. An Grenzkontrollen
ist es trans* Menschen ohne angeglichene Pässe erschwert, auszureisen. In der Ukraine sei zu
erwarten, dass HIV- und trans*medizinische Medikation ausgehen wird, die Arbeit von sowie die
Aktivist_innen selber seien gefährdet. Außerdem erfahren queere Menschen auf ihrer Flucht in
angrenzende Länder, wie Ungarn, Rumänien und Polen, und deren queer-feindliche Politiken
Mehrfachdiskriminierungen, laut dem Bündnis Queere Nothilfe Ukraine.
Letztendlich kommt es bei fehlender Toleranz und Akzeptanz sowie der Fokussierung auf
Unterschiede zwischen Menschengruppen zu Konflikten, Diskriminierungen und Unterdrückung. Ob
platonisch oder romantisch, Liebe verbindet. Wir Menschen sollten uns unterstützen, denn Liebe ist
Liebe und sollte keinen Unterschied machen. Liebe steht über allem, egal welches Geschlecht,
welche Religion, welche Kultur und welche Herkunft die Menschen haben und bildet die Basis für ein
friedliches Zusammenleben. Mit dem diesjährigen CSD in der Friedensstadt Osnabrück machen wir
uns genau hierfür stark.