Mut, Geschichte und Gemeinschaft – Der Rosa‑Courage‑Preis 2026 in Osnabrück

Es gibt Momente, in denen eine Stadt spürbar atmet. Wenn Geschichte, Gegenwart und Haltung sich für einen Augenblick überlagern und etwas entsteht, das größer ist als eine Veranstaltung. Die Verleihung des Rosa‑Courage‑Preises 2026 , im Rahmen von Gay in May im Friedenssaal des Osnabrücker Rathauses war genau ein solcher Moment – ein Raum voller Stimmen, die nicht nur feiern, sondern erinnern, fordern und verbinden.

In diesem Jahr ging die Auszeichnung an das Berliner Drag‑Kollektiv König, eine Gruppe, die Drag nicht als glamouröse Oberfläche versteht, sondern als Werkzeug politischer Bildung. König reist dorthin, wo queere Sichtbarkeit oft nur als Echo existiert: in kleine Städte, in Dörfer, in Räume, die noch nicht gelernt haben, Vielfalt selbstverständlich zu denken. Ihre Workshops, Drag‑Labore und Performances öffnen Türen, die lange verschlossen waren – und sie tun es mit einer Mischung aus Humor, Zärtlichkeit und unerschütterlicher Klarheit.

Drag-Kollektiv König – Foto: Toni Theilmeier

Während im Saal die Laudatio von Leonie Löwenherz die Bedeutung dieser Arbeit hervorhob, lag unter den Füßen der Gäste ein Stück Geschichte, das in diesem Jahr eine besondere Rolle spielte. Teppichkacheln aus dem historischen Rathausboden, jahrzehntelang Zeugen politischer Entscheidungen und gesellschaftlicher Debatten, konnten von ehemaligen Preisträger*innen erworben werden. Ein symbolisches Fragment Osnabrücks, das nun weitergetragen wird – als Erinnerung daran, dass Engagement Spuren hinterlässt, die man nicht einfach austauschen kann wie einen Bodenbelag.

Doch der Abend erzählte noch eine zweite Geschichte. Eine, die zeigt, dass queere Solidarität nicht an den Grenzen der eigenen Community endet. Der CSD Osnabrück e.V. übernahm offiziell die Patenschaft für Yachad Deutschland e.V., eine Organisation, die jüdisches und queeres Leben sichtbar macht und gegen Antisemitismus wie Queerfeindlichkeit gleichermaßen kämpft. In Zeiten, in denen Polarisierung lauter wird und Minderheiten gegeneinander ausgespielt werden sollen, ist diese Patenschaft ein bewusstes Gegenbild: ein Schulterschluss, der sagt, dass Sicherheit und Freiheit unteilbar sind.

So verband sich an diesem Abend vieles: die politische Kraft von Drag, die historische Tiefe eines Raumes, die Verantwortung einer Stadt und die Solidarität zweier Communities. Der Rosa‑Courage‑Preis 2026 war mehr als eine Ehrung. Er war ein Versprechen – dass Mut sichtbar bleibt, dass Geschichte weitergetragen wird und dass Gemeinschaft dort beginnt, wo Menschen sich füreinander entscheiden.

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